Hirnriß
Das war's!
king_dirk | 28. April 09
Es ist vollbracht! Projekt 42 ist erfolgreich abgeschlossen. Und zwar in weniger als 5 Stunden! 4.59:46h um genau zu sein.
Ok, ist knapp an meiner Zielzeit von 4.30h vorbei, aber unter den Gegebenheiten aller Ehren wert. Aber der Reihe nach...
Samstag galt es erstmal die Startnummer abzuholen und da bekam ich schon einen ersten Eindruck, was am Sonntag auf mich zukommen würde. Hunderte von Läufern und Läuferinnen, 100% durchtrainiert, Adrenalin strotzend und extrem international. Man hörte Dänisch, Spanisch, Englisch... Das gefiel mir.
Die Nacht auf Sonntag war ganz ok. Die Knieschmerzen versuchte ich mit einer IBU in den Griff zu kriegen, was hervorragend gelang. Ab 5.00h war ich dann wach und konnte nicht mehr einschlafen, aber das war ok.
Die S-Bahn Richtung City war dann schon voll mit Läufern. Gesprächsfetzen von "unter 3.30h" konnte ich auffangen. Wollte ich aber gar nicht.
Im Läuferdorf dann Wahnsinn pur. 15.000 Irre, die den Start nicht erwarten konnten. Detailgeschichten, wie die von den beiden Däninnen, erzähle ich Interessierten lieber persönlich. Das glaubt einem eh keiner.
Um 9.00h erfolgt der Startschuss. Nach 7 Minuten passiere ich die Startlinie und dann geht es los. Es ist warm...
Kilometer 5: erstes Zucken in der Wade. Geht gleich wieder weg.
Kilometer 7: Ben und Frau feuern mich an.
Kilometer 10: Fischmarkt/Landungsbrücken - Höhepunkt! Tausende von Leuten jubeln, machen Laola, feuern an. Gänsehaut beim Laufen.
Es ist nicht mehr warm. Es ist heiss!
Kilometer 15: Meine Familie feuert auf Höhe Jungfernstieg an.
Kilometer 20: Nicole unterstützt!
Kilometer 22: Ute und ihre Mama gröhlen aus dem Wohnzimmerfenster. Ich signalisiere Zuversicht! Keine Schmerzen, topfit! Es sieht gut aus. Der 4:30h-Tempoläufer deutlich hinter mir! Zwischenzeit 2:15h.
Die Sonne knallt. Es ist zu heiss.
Kilometer 25: Der Zusammenbruch! Kreislaufbeschwerden, Herzstiche. Ich denke sofort ans Aufhören. Mir wird schwindelig. Erstmal gehen.
Was soll ich machen? Aufhören? In der Firma erzählen, dass ich nur 25 Kilometer schaffe? Das geht nicht. Wenigsten eine 3 soll vorne stehen.
Langsam wieder anfangen zu Laufen. Der Schwindel kommt wieder. Schritttempo. Ah, Versorgungsstation. 3 Becher Wasser, eine Banane. Wieder langsam laufen.
Nach langer Zeit erscheint endlich die 30. Geschafft. Soll ich jetzt aussteigen? Ich lauf erstmal wieder.
Kilometer 31: Meine Familie ist wieder da. Energiebonus.
3 Kilometer schaffe ich. Mir wird wieder duselig. Gehen. Am Wegesrand esse ich alles, was mir angeboten wird. Kekse, Schoklade. Die Wurst mit Senf lehne ich dankend ab.
Kilometer 35: Ich quatsche einen Typen an, um die Schmerzen zu vergessen. Ihm geht es genauso dreckig wie mir. Es ist sein zweiter Marathon. Letztes Jahr ist er in New York gestartet. Zwei Kilometer schaffen wir, dann muss er pausieren. Ich laufe 500 Meter weiter.
Noch 6 Kilometer. Soll ich jetzt noch aufhören? Nein! Weiter geht es.
Kilometer 38: Dani, Helge und Silke feuern an. Dani fragt, wie es mir geht. Beschissen. Ich bekomme eine Wasserflasche von ihr und nehme eine Dusche. Muss weiter. Ich will, dass das endlich vorbei ist.
Kilometer 39: Es geht durch Eppendorf. Wieder tausende von Leuten. Ich kann nicht mehr laufen und komme mir total bescheuert vor.
Kilometer 40: Oh mein Gott, noch zwei Kilometer. Ich nehme den schnellen Schritt wieder auf. Krämpfe in den Waden und im linken Oberschenkel.
Kilometer 41: Jetzt beginnt der Zieleinlauf. Menschenmassen. Ich höre die Musik auf dem Ipod nicht mehr. Habe der Musik eh schon seit Stunden nicht mehr zugehört. Habe nur noch Schmerzen gespürt.
Dann, das Ziel. Kämpfen. "Du schaffst das." Jo, geschafft. Ich will eine Badewanne und meine Ruhe. Aber erstmal ins Läuferdorf.
Nach 2 Litern Flüssigkeit und einer ausgiebigen Pause trete ich den Rückweg an. Aber schon die Treppen zur U-Bahn lassen vermuten, was heute und morgen auf mich zukommt.
Die ersten Glückwünsche treffen ein. Manu, Pekka, Jens, die stolzen Eltern. Danke, danke, danke! Ehrlich, vielen Dank an alle für die tolle Unterstützung. Das hat dazu beigetragen, dass ich das schaffen konnte.
Die Massage am Abend war schön, aber hat den massiven Muskelkater nicht verhindern können. Egal, Mittwoch ist alles vergessen. Wie ein Plakat sagte: "Pain is temporary!" Dann denke ich darüber nach, ob ich das nochmal mache. Aber es war der pure Wahnsinn. Anders lässt sich das nicht beschreiben.

Wettkampfmusik

Musik auf ipod
AC/DC / Live at the Atlantic Studios
AC/DC / diverse
The Cure / Best of (acoustic)
The Prodigy / Music for the jilted generation
Scooter / Best of

Erst während des Laufens höre ich, was für Musik ich da aufgespielt habe:
Highway to hell
It's a long way to the top...
Boys don't cry
usw.
Passte irgendwie alles.

Kommentieren